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Fries-Symmetrien (Streifenornamente)
Ein Fries ist ein (als unendlich lang zu denkendes) periodisches Ornament,
das zwischen zwei parallelen Geraden eingeschlossen ist. Damit es periodisch
ist, muss zu seinen Symmetrie-Abbildungen, die es mit sich selbst zur
Deckung bringen, eine kürzeste Translation t (Parallelverschiebung) in
Richtung dieser Geraden gehören. Wiederholte Ausführung von t ergibt
unendlich viele weitere Translationen, t² = t°t,
t³ = t°t°t,..., die das Ornament ebenfalls auf sich selbst
abbilden. Die Umkehrungen aller dieser Translationen sind Translationen in
entgegengesetzter Richtung
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Peruanisches Textilmuster
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Außer diesen unendlich vielen Translationen, die immer zur Familie der
Symmetrien eines Frieses gehören, kann es weitere Symmetrieabbildungen
geben:
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sw | | Spiegelungen an der waagerechten Mittellinie w des Streifens, |
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ss | | Spiegelungen an einer zu den begrenzenden Geraden Senkrechten s, |
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d | | Drehungen um 180 Grad um einen Punkt P der Mittelparallelen sowie |
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g | | Gleitspiegelungen, d.h. Translationen in Längsrichtung
mit anschließender Spiegelung an der waagerechten Mittellinie. |
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Im folgenden Bild sind die möglichen Stellungen einer "Fahne"
F im Fries nach Ausführung je einer dieser Abbildungen markiert,
womit zugleich klar wird, dass unsere Aufzählung von Möglichkeiten
vollständig ist.
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Da sowohl die Hintereinanderausführung ° als auch die Umkehrung
von Symmetrie-Abbildungen des Ornamentes wieder Symmetrieabbildungen
sind (die Symmetrien bilden bezüglich der Hintereinanderausführung
eine Gruppe), kann das Resultat von Verknüpfungen ° zweier
solcher Abbildungen in einer quadratischen Tabelle fixiert werden,
welche hier abgekürzt ist. (In Wahrheit gibt es ja unendlich viele
solche Abbildungen, und wenn man die Translation t und dann nochmals
t ausführt, bekommt man natürlich als Resultat nicht t sondern
eine andere Translation t². Ebenso meint g°g = t in unserer
Tabelle nur, dass irgendeine Translation entsteht, wenn man irgend
zwei (eventuell verschiedene) Gleitspiegelungen nacheinander
ausführt. Während es also unendlich viele Abbildungen der Arten t,
g und ss gibt, sind sowohl sw als auch d nur einzelne
Abbildungen. Führt man eine dieser beiden zweimal aus, d.h. verknüpft
man sie mit sich selbst, so entsteht die identische Abbildung i, die
alles an seinem Platz lässt.
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| 2. Abbildung |
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1. Abbildung |
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° | t | ss | sw | d | g |
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t | t | ss | g | d | g |
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ss | ss | t | d | g | d |
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sw | g | d | i | ss | t |
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d | d | g | ss | t | ss |
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g | g | d | t | ss | t
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Was bei der Hintereinanderausführung zweier konkreter Abbildungen
genau passiert, kann man am besten klären, wenn man benutzt, dass
- Hintereinanderausführung zweier Spiegelungen an zueinander
senkrechten Achsen eine Drehung um den Schnittpunkt dieser Achsen um
180 Grad ergibt und jede solche Drehung auch so darstellbar ist.
- Hintereinanderausführung der Spiegelungen an zwei parallelen
(hier dann stets senkrechten) Achsen eine Translation senkrecht zu
diesen Achsen (also waagerecht) um den doppelten Abstand der beiden
Achsen ergibt.
Auf diese Weise lässt sich alles auf die Hintereinanderausführung von
Spiegelungen an Senkrechten und der einen hier nur möglichen
waagerechten Achse w reduzieren.
Die Klassifikation äußerlich sehr unterschiedlich gestalteter
Friesornamente in nur 7 verschiedene Typen ergibt sich daraus, dass es
in der Gruppe aller Deckabbildungen eines Parallelstreifens nur 7
Teilsysteme gibt, die unter sich schon eine Gruppe bilden. Wir listen
diese sieben Typen auf und geben jeweils einen (ästhetisch
uninteressanten) Fries in Gestalt einer Reihe von Symbolen mit dieser
Symmetrieeigenschaft und ein oder zwei Beispiele aus verschiedenen
Kulturkreisen bzw. Epochen an:
- nur Translationen ...P P P P P...
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Babylon
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- Translationen und Drehungen um 180° ...S S S... Man
beachte, dass sich Drehpunkte sowohl in der Mitte jedes Buchstaben als
auch in der Mitte zwischen je zwei Buchstaben befinden. Man übertrage
dies sinngemäß auf die folgenden Beispiele.
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antikes Olympia
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Italien 15. Jh.
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- Translationen und Spiegelungen an waagrechter Mittalachse,
folglich auch Gleitspiegelungen ...C C C...
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Byzanz 5./6. Jh.
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Kloster Maulbronn, 14. Jh.
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- Translationen und Spiegelungen an senkrechten Achsen ...A A A...
Man beachte, dass sich Spiegelachsen sowohl in der Mitte jedes
Buchstaben als auch zwischen je zwei Buchstaben befinden. Man
übertrage dies auf die folgenden Beispiele.
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Theben, Altägypten
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Chorsabad, antikes Assyrien
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- Translationen, Spiegelungen an waagrechten und senkrechten
Achsen, folglich auch Gleitspiegelungen ...X X X...
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Peruanisches Textilmuster
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Palast in Nimrud
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Fachwerkhäuser in Quedlinburg
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- Gleitpiegelungen (folglich auch Translationen) und Spiegelungen
an senkrechten Achsen
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Fußboden der Sanct Marien-Kirche in Rom
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- Nur Gleitspiegelungen und die sich daraus ergebenden
Translationen
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Sanct Cunibert, Köln, romanisch
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Bei der Durchsicht umfangreichen historischen Materials fällt auf,
dass die beiden letztgenannten Typen, in denen Translationen erst
durch die Hintereinanderausführung von Gleitspiegelungen auftreten,
letztere also als "Erzeugende" gebraucht werden, sehr viel seltener
auftreten als die Typen 1. bis 5. Offenbar sind Gleitspiegelungen
nicht so leicht zu entdecken und anschaulich zu verarbeiten wie die
anderen Abbildungen.
Der folgende "Entscheidungsbaum" gibt bei einem beliebigen
vorliegenden Fries den Typ der Symmetriegruppe an.
Gelegentlich, typisch vor allem in der islamischen Ornamentik, treten
"Flechtmuster" auf.
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Fußböden römischer Villen |
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Fußboden San Marco, Venedig
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Fußboden in Pisa
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Cordoba
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Sevilla
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Will man bei derartigen Friesornamenten das Über- und Untereinander
nicht ignorieren, so muss man sich als "Ort der Handlung" statt des
ebenen Parallelestreifens einen unendlich langen dreidimensionalen
Strang von rechteckigem Querschnitt vorstellen, dessen "Schauseite"
viel breiter ist als die dazu senkrechte "Tiefe" des nun
reliefartigen Ornaments, das aber meist nicht räumlich ausgeführt
sondern nur in der Ebene abgebildet wird. Wie das folgende Bild zeigt,
gibt es nun statt 5 möglichen Positionen der Fahne F nach Ausführung
einer Deckabbildung 11 solche Positionen.
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Mögliche Symmetrien bei geflochtenen Friesornamenten
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Diese sind gerade die Translation entlang der x-Achse, Drehungen um
die x-, y- und z-Achse, Spiegelungen an den zu den Raumachsen
senkrechten Ebenen, Punktspiegelung am Schnittpunkt der Raumachsen,
Gleitspiegelungen und die Schraubung um die x-Achse.
(Translation, Gleitspiegelungen und Schraubung sind
nur in Richtung des Frieses möglich, da sie sonst aus dem Bereich des
Frieses herausführen würden.)
Die Suche nach Untergruppen und einige theoretische Überlegungen ergeben
in diesem Fall, dass es 31 verschiedene Klassen von
geflochtenen Friesornamenten
gibt. Um die Fantasie und Neugier der Besucher anzuregen, sind im
folgenden drei ausgewählte Beispiele mit den zugehörigen
Symmetrie-Abbildungen angegeben. Analog kann der interessierte Besucher
selbst versuchen einige der 31 geflochtenen Friesornamente aufzuspüren.
- Rotation an allen drei Raumachsen und Schraubung
- Rotation um die y- und z-Achse und Schraubung
- Spiegelung an den zur x- und z-Achse senkrechten Ebenen,
Rotation um die y- und z-Achse, Punktspiegelung, beide
Gleitspiegelungen und Schraubung
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Paul Rosenthal,
11. Juli 2006
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