Axiom des Euklid
Das Axiom des Euklid besagt,daß es zu einer Geraden der Ebene durch einen
beliebigen Punkt dieser Ebene immer nur eine Parallele gibt.
Die beiden Modelle derjenigen Geometrie, in der man mehr als eine Parallele
der beschriebenen Art hat, wurden von Felix Klein (1845-1925) und
Henri Poincaré (1854-1912) definiert. Beide lassen sich im Innern
einer Kreisscheibe realisieren, wobei die Randpunkte dieser Kreisscheibe
gewissermaßen die unendlich fernen Punkte dieser Ebene sind. Es gibt aber
einen wichtigen Unterschied zwischen beiden Modellen. Im Modell von
Klein werden die Geraden durch Sehnen der Kreisscheibe repräsentiert.
Im Modell von Poincaré werden die Geraden durch Kreisbögen in
der Kreisscheibe dargestellt, die von Rand zu Rand laufen und dort jeweils
senkrecht einmünden.
|
|
|
Modell von Klein
|
Modell von Poincaré |
|
|
Obwohl auf den ersten Blick das erstgenannte Modell
|
|
Kreislimit III |
|
|
einfacher zu sein scheint, stellt sich heraus, daß man nur im Modell
von Poincaré das elementare Konstruieren im Modellsinn mit Zirkel und
Lineal nachvollziehen kann. Escher hat es gewußt und das
Poincaré-Modell für seine mehrfach unter dem Titel Kreislimit
III (1999 Cordon Art B.V.-Baarn-Holland) ornamentierten
Kreisscheiben benutzt. Er füllte sie mit halbregulären
Parkettierungen, deren Elemente gegen den Rand hin beliebig klein
werden, während sie im Sinne der inneren Geometrie dieses Modells
durch die Hintereinanderausführung von Spiegelungen auseinander
hervorgehen. Zugleich ist dies ein Beispiel für die Aussage im
Abschnitt Parkette und Pflaster, daß nicht
nur die Mathematik zur Erweiterung des Symmetriebegriffes mittels
anderer als der Kongruenzabbildungen übergegangen ist, sondern auch
die Kunst sich dessen schon bemächtigt hat.
Eine achtzigjährige (!) Leserin des Buches
|
|
Kreislimit III - Kopie |
|
|
5000 Jahre Geometrie - Geschichte, Kulturen, Menschen
[Scriba und Schreiber, 2000] wurde durch das dort
auf Seite 523 abgebildete Kreislimit III von M. C. Escher
angeregt, dieses Bild nachzugestalten. Das Resultat möchten wir den
Besuchern unserer virtuellen Ausstellung präsentieren.
WWW-Gestaltung: Alexander Wolff und
Paul Rosenthal,
11. Juli 2006